Heraus zum feministischen Kampftag!

Das feministische Bündnis Trier ruft zu einer Demonstration am 08.03. um 18:00 auf dem Viehmarktplatz auf:

Jedes weitere Jahr, das trotz unserer Kämpfe in die Lande streicht, ohne dass endlich eine Gleichstellung aller Geschlechter durchgesetzt wird, macht uns wütender. Der Kampf gegen das Patriarchat und den Kapitalismus und für die Gleichstellung von Frauen, Lesben, inter-, nicht-binären, trans und agender Personen (kurz: FLINTA*; Sammelbegriff für Menschen, die primär im Patriarchat unterdrückt und diskriminiert werden) ist noch lange nicht vorbei. Auch nach über 100 Jahren feministischer Kämpfe sind wir noch weit von Gleichberechtigung entfernt. Die Diskriminierung, Ausbeutung und strukturelle Benachteiligung von FLINTA* Personen zieht sich weiterhin wie ein roter Faden durch unsere kapitalistische Gesellschaft. Lasst uns deswegen am 8. März gemeinsam auf die Straße gehen, um für die Gleichstellung aller Geschlechter in der Arbeitswelt und im Privaten zu kämpfen. Lasst uns darüber hinaus nach einer bedarfsorientierten Wirtschaft streben. Wir lassen uns nicht mehr mit einer vermeintlichen Verbesserung ausbeuterischer Produktionsverhältnisse abspeisen!

Wir wollen dieses Jahr den Fokus auf die Benachteiligung von FLINTA* (Frauen-, Lesben-,Nicht-binären-, Trans- und Agender-) Personen in der Arbeitswelt legen. Der am häufigsten genannte und brisanteste Unterschied zwischen den Geschlechtern in der Arbeitswelt ist das immer noch bestehende Lohngefälle, auch als „Gender Pay Gap“ bekannt. In Deutschland lag dieser im Jahr 2020 bei 18%. Dies ist ein Zeugnis der tief verankerten, strukturellen Unterdrückung von FLINTA* Personen. Die Corona Pandemie hat diese Ungleichheit noch gefestigt.Zum geschlechtsspezifischein Lohngefälle trägt aber nicht nur ungleicher Lohn für gleiche Arbeit bei. Auch der Karriereverlauf endet für weiblich oder queer gelesene Menschen seltener in hohen Posten. Weiterhin prägend ist die Berufswahl, denn weiblich sozialisierte Personen wählen häufiger soziale Berufe, die prinzipiell schlecht entlohnt werden. Neben der Gleichberechtigung aller Geschlechter muss daher zwangsläufig das Ende der Ausbeutung der lohnabhängigen Menschen in jedem Sektor gefordert werden.

Aus dem Gender Pay Gap resultieren erhebliche Benachteiligungen von FLINTA* Personen. Durch niedrigere Löhne werden sie eher in finanzielle Abhängigkeit von ihren männlichen Partnern oder Ex-Partnern oder sogenannte Sozialleistungen getrieben. Aufgrund dessen können sie sich Kündigungen trotz Ausbeutung oder Übergriffen nicht leisten. Im Privaten kann das sogar darin enden, dass eine FLINTA* Person sich nicht aus einer gewaltvollen Beziehung lösen kann. Darüber hinaus reproduzieren die Unterschiede im Lohnniveau patriarchale Geschlechterrollen. Denn wenn hetero Paare Eltern werden, ist es oftmals keine freiwillige Entscheidung wie die Kindererziehung organisiert wird, sondern eine unfreie, auf der Basis finanziellen Drucks. Die Konsequenz: Die häufig schlechter verdienende Frau bleibt Zuhause und der Mann arbeitet in Vollzeit.

Dies belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts, welches leider nur binäre Kategorien erfasst. Im Durchschnitt üben nur 27% der Frauen mit einem Kind unter sechs Jahren eine Vollzeitbeschäftigung aus. Wohingegen Männer in 94% der Fälle Vollzeit arbeiten gehen. Sobald die gesetzlich anerkannte Elternzeit vorüber ist, müssen meistens beide Eltern wieder eine Vollzeitarbeit ausführen, um die Lebenserhaltungskosten abdecken zu können. An diesen Zahlen zeigt sich, dass das Bild der Frau, die Zuhause den Haushalt stämmen muss und unentgeltlich verschiedenste Care-Aufgaben übernimmt, der Realität entspricht. dieses Bild wird durch den Kapitalismus verstärkt und ist noch immer tief in der Gesellschaft verankert. Das erfüllt den einzigen Zweck, wirtschaftliche Gewinne zu maximieren und gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit, Care—Arbeit, ins unentgeltlich Private ab zu schieben. Diese Ausbeutung, gefördert durch das Narrativ der Hausfrau, hat lange Tradition und wird immer noch zu selten hinterfragt. In was für einer Gesellschaft leben wir,in der sich Schwangerschaft negativ auf das Berufsleben auswirkt? Menschen wird es erschwert nach einer Schwangerschaft ihren vorherigen Arbeitsplatz oder gar ihren erlernten Beruf wieder aufzunehmen. Zusätzlich fehlen ihnen die Erwerbsjahre für die innerbetriebliche Gehaltserhöhung und für die Rente. Ein Führungsposten für junge Menschen, die schwanger werden könnten ist gar undenkbar, da der Kapitalist im Falle des Falles finanzielle Einbußen hätte.

So zeigt sich mal wieder klar und deutlich: Der Kapitalismus und das Patriarchat gehen Hand in Hand und leben von Unterdrückung und Spaltung! Das System muss, um sich zu erhalten,uns gegeneinander ausspielen. So werden zum Beispiel sogenannte Karrierefrauen gegen Hausfrauen aufgehetzt, wobei die Debatte sich um das vermeintliche Kindeswohl dreht. Überhaupt wird besonders die Ungleichheit, die das System mit sich bringt, in den Hintergrund gerückt. Doch das lassen wir uns nicht gefallen! Indem wir alle gemeinsam demonstrieren, machen wir deutlich, dass wir uns nicht anhand von konstruierten Narrativen spalten lassen, und machen die Kraft spürbar, die sich entfaltet, wenn wir uns zusammenschließen.
der schlechte Lohn von FLINTA* Personen ist auch ein Ausdruck ihres niedrigen gewerkschaftlichen Organisationsgrads, doch durch die betrieblichen Kämpfe vor allem in Krankenhäusern konnte in den letzten Jahren die Kampfkraft weiblich assoziierte Berufe deutlich gesteigert werden. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, die es auf andere Bereiche auszudehnen gilt: Der Pflegesektor allgemein, Soziale Berufe, Einzelhandel usw. Organisiert euch deshalb an eurem Arbeitsplatz und in der für euch zuständigen Gewerkschaft!

So rufen wir auch in diesem Jahr wieder dazu auf, gemeinsam mit uns auf die Straße zu gehen!

Schließt euch uns an und lasst uns unsere Kämpfe verbinden!

Für eine feministische, antikapitalistische und antifaschistische Welt!

Lila Rebellion Trier / 24. Februar 2022 /